
Keaden - Melodiöser Rock aus Liechtenstein
Als Shakeadelic funkten und rockten sie schon seit Jahren. Mit dem neuen Album kommt auch ein neuer Name: Die Liechtensteiner heissen fortan Keaden.
von David Dörflinger
Kinder des Fussballs seien sie, sagt Keaden-Gitarrist Simon Schädler. So haben sich fast alle Mitglieder der Liechtensteiner Rockband vor Jahren auf dem Fussballplatz kennengelernt. Bandleader Manuel Walser hat sogar zusammen mit dem Gitarristen Markus Büchel in der liechtensteinischen Juniorenauswahl gespielt. Ein anderes Verhältnis haben Markus Büchel und Pianistin und Backgroundsängerin Rebekka Biedermann. «Wir waren im Alter von zwölf mal ein Paar», verraten die beiden. «Sie trauert mir heute noch nach», scherzt der Gitarrist, der unter der Woche bei einer Bank in Bern arbeitet. «Eine Stärke von uns ist, dass wir uns schon so lange und gut kennen, dass wir total ehrlich zueinander sein können», beschreibt Manuel Walser, Leadsänger und Jura-Student, die Verhältnisse innerhalb der Band.
Dies gilt auch für die Musik: «Wir sind ernster und ehrlicher geworden», sagt der Bandleader. Während sieben Jahren waren die Liechtensteiner unter dem Namen Shakeadelic unterwegs. 2006 gewannen sie sogar den Contest «Newcomer Tufertschwil». Während den sieben Jahren ihres Bestehens hat die Band eine musikalische Wandlung durchlaufen. Die Funk-Formation hat sich mit der Zeit immer mehr dem Rock zugewandt. «Irgendwann waren wir dann an einem Punkt angelangt, an dem wir zwar noch Shakeadelic hiessen, aber längst keine Shakeadelic-Musik mehr machten», erklärt der Bandleader. Ihr neuer Name Keaden lasse ihnen indes mehr musikalische Möglichkeiten. Trotzdem lebt der alte Bandname im neuen gewissermassen weiter. Vom ehemaligen Namen Shakeadelic geblieben ist der Wortkern «kead». Auch personell gab es eine Änderung: Bis vor kurzem traten die Liechtensteiner noch zu siebt auf. Mittlerweile hat Backgroundsängerin Leoni Matt die Band verlassen. Aktuell spielen Sänger Manuel Walser, Bassist Simon Gabathuler, Schlagzeuger Patrick Burgmeier, Pianistin und Backgroundsängerin Rebekka Biedermann sowie die beiden Gitarristen Simon Schädler und Markus Büchel in der Rockband aus dem Fürstentum. Rein imagemässig bringe ihnen ihre liechtensteinische Herkunft schon gewisse Vorteile, findet Leadsänger Manuel. «Uns haftet etwas Exotisches an.»
«Under your Skin» (dt. «Unter deiner Haut») heisst das neue Album von Keaden. Der Titel ist unter anderem als Verurteilung von Rassendiskriminierung zu verstehen: «Schliesslich sind unter der Haut alle Menschen gleich», sagt Manuel. Gleichzeitig soll die Rockmusik ihres neuen Albums aber auch tief unter die Haut gehen. Auf die Frage eines gemeinsamen Lieblingssongs kann die Band keine Antwort geben. Jedes Mitglied habe so seine Songs, die ihm viel bedeuteten. Ohnehin treffen sich bei Keaden die unterschiedlichsten Musikgeschmäcker. Während die Band mit Schlagzeuger Patrick einen Freund der 80er-Jahre in ihren Reihen hat, hört Gitarrist Markus am liebsten harten Rock. Pianistin Rebekka steht indes mehr auf Singer-Songwriter-Musik à la Tori Amos. Frontmann Manuel hört am liebsten gemässigteren Rock von U2 oder Muse. Sogar dem elektronischen Sound ist er nicht abgeneigt und legt nebenbei als House-DJ auf.
Auch die Songtexte stammen alle aus der Feder von Frontmann Manuel: Währenddem die Band früher vor allem über Ausgang, Partys und Frauen gesungen hat, behandeln sie heute vermehrt Themen wie Rassismus, Krieg, Vorbildfunktion oder Lebensabschnitte. Auch Drogen und andere Laster finden Einzug in ihre Songtexte. Allerdings lebt die Band so gar nicht das typische Rocker-Klischee, zu dem auch der Drogenkonsum gehört. Im Gegenteil: «Wir sind alle immer noch Sportler», stellt Manuel klar. «Ich musste vor kurzem feststellen, dass ich mittlerweile der einzige Raucher in der Band bin!», ergänzt Gitarrist Markus Büchel. Letzten Oktober hat die Band an einem Benefizlauf von Amnesty International teilgenommen und sich dabei mit liechtensteinischen Sportlern wie dem Skifahrer Marco Büchel gemessen. «Wir haben dabei nicht einmal so schlecht ausgesehen», sagt Gitarrist Simon nicht ohne Stolz.
Auf das Jahr 2007 blickt die Band mit Freude zurück. Als besonderes Highlight nennen sie ihre Plattentaufe in Vaduz. Auch für die Zukunft hat sich die Band einiges vorgenommen. Noch dieses Jahr ist eine Deutschlandtournee geplant. Auch Auftritte an grossen Festivals wie vor bald zwei Jahren am Open Air Tufertschwil soll es in Zukunft wieder vermehrt geben. Auf einer Open-Air-Bühne zu stehen und dabei einerseits eine riesige Menschenmenge vor sich und gleichzeitig die Band mit ihren Instrumenten hinter sich zu haben, sei schon ein ganz tolles Gefühl, erzählt Frontmann Manuel voller Begeisterung. Als «Kind des Fussballs» hat der 25jährige sofort auch einen passenden Vergleich parat: «Wenn du auf der Bühne stehst und die ganze Aufmerksamkeit des Publikums hast, ist das ein Gefühl, wie wenn du beim ‹Tschutten› ein Tor schiesst!»